Wie sah nun der traditionelle Haushalt, dem die Bäuerin vorstand, überhaupt aus? Eines steht fest: Hausgemeinschaften mit zehn oder gar fünfzehn Kindern und dem Zusammenleben von drei bis vier Generationen gehörten zu den grossen Ausnahmen. Der gesamtschweizerische, aus früheren Jahrhunderten errechnete Durchschnitt pro ländlichen Haushalt liegt bei lediglich fünf Personen.
Häufige Fehlgeburten, ausgelöst durch die harte Arbeit und die spärliche und einseitige Ernährung, die hohe Kindersterblichkeit, die zahlreichen Todesfälle von Müttern im Kindbett und die niedrige Lebenserwartung, wirkten sich auf die Grösse des Haushalts aus, die auch beträchtlichen Schwankungen unterworfen war. Innerhalb weniger Jahrzehnte konnte eine Hausgemeinschaft von einer fünfzehn- bis zwanzigköpfigen Grossfamilie auf einen Einpersonenhaushalt zusammenschrumpfen.
Beträchtliche Unterschiede in der Stellung der Bauersfrau bestanden ebenfalls in Bezug auf die ökonomischen Verhältnisse. Zwischen dem «Reich» der Grossbäuerin, die eine Schar von Mägden kommandierte, und der armen Bäuerin im Taglöhnerhaus lagen Welten.
Das Hauptgewicht des Alltags der Bäuerin liegt auch heute noch in der Führung des Haushalts. Dies bedeutet, dass sich die Frauen die meiste Zeit ihres Lebens im Haus und im Garten aufhalten. Während der Bauer in der Regel morgens um fünf oder sechs Uhr das Haus verlässt und nur zum Essen zurückkommt, beschäftigt sich die Frau mit dem Kochen und Konservieren von Nahrungsmitteln, mit der Kinderpflege, mit Putzen und Waschen.
Ein Blick in die Gestaltung und Ausschmückung des Hauses erstaunt. Auch dieser Lebensbereich, den man mindestens verbal grosszügig den Frauen überliess, ist von den Männern geprägt. Der Bauer bestimmt über die Ausstattung der Wohnräume, der Bauer unterschreibt den Kaufvertrag für die Waschmaschine oder den Elektroherd, er entscheidet, ob die Küche modernisiert oder zuerst ein neuer Stall gebaut wird. Selbst der Wandschmuck ist fast vollständig vom Mann und dessen Familie geprägt.
Persönliche Familienerinnerungen der eingeheirateten Bäuerin finden allenfalls in der Schlafkammer Platz. Auch bei den allfälligen Initialen auf dem Mobiliar dominiert der Name des Bauern. Lediglich Schränke oder Truhen und die zur Aussteuer vermögender Bäuerinnen gehörende Wäsche tragen ihr persönliches Monogramm.


