Eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der unverheirateten Männer war das nächtliche Umherschwärmen, sei es einzeln auf dem Kiltgang oder in Gruppen um da und dort mit verstellter Stimme und verdecktem Gesicht Einlass und einen Kaffee zu erbetteln, als selbsternannte Sittenpolizei zu agieren oder allerlei Unfug anzustellen.
Die nächtlichen Eskapaden führten nicht selten zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppen, die manchmal sogar blutig endeten. So steht im Engelberger Talprotokoll vom 31. Mai 1733 unter dem Stichwort «Mandat wegen den Nachtbuoben oder nächtlichen Herumschwärmen» über eine solche «Bande» vermerkt: «das gemelte strafwürdige Schwärmer undt Nachtbuoben gegeneinander nit nur mit allerhandt Spitzreden und ergelichen Wortten, sonder sogar mit Degen, Messer, Stein und Stecken aufziehen, einander ausochen und jagen, also zwar, dass nit nur die ehrlose Nachtbuoben selbsten in Leib- und Lebensgefahr gerathen, sondern andere ehrliche Leüth…angefochten undt befaret werden.»
Harmloser lief in der Regel der Kiltgang ab. Die jungen Männer im heiratsfähigen Alter schlichen sich nach Einbruch der Dunkelheit zum Haus ihrer Angebeteten und baten mit verstellter Stimme und oft mit gereimten Sprüchen um Einlass oder mindestens um ein paar liebe Worte durch das Fenster. Kam der Kiltgänger von einem anderen Dorf, musste er vorsichtig darauf bedacht sein, nicht in die Hände einheimischer Nachtbuben zu geraten, sonst musste er damit rechnen, dass sein Liebesabenteuer auf dem Miststock oder gar in der Jauchegrube endete.


