Jura | Bauernhaus von Therwil BL  (1675)


Nr. 131
Das grosse Bauernhaus wurde laut Datierung über dem Haupteingang und auf dem Tenntorbogen 1675 erbaut. Es stand im Zentrum des Baselbieter Dorfes Therwil und gehörte zu einem Bauernhof mit grossem Grundbesitz. Das Haus ist ein Zeuge des Wiederaufbaues nach den verheerenden Verwüstungen des 30-jährigen Krieges, denen auch Therwil zum Opfer gefallen war.

Wer dieses prächtige Gebäude erstellt hat, lässt sich nicht eindeutig feststellen. Aus den Quellen weiss man aber, dass sich die Liegenschaft um 1700 im Besitz eines Johann Gutzwiler befand. Verschiedene Indizien weisen darauf hin, dass er mit dem Erbauer identisch ist. Auf jeden Fall gehörten er und auch die auf ihn folgenden Besitzergenerationen zu den wohlhabenderen Therwiler Bürgern. In Grösse, Konstruktion und Ausstattung übertraf dieses Bauernhaus die übrigen Bauten des Dorfes. Wie Abbildungen des 17. und 18. Jahrhunderts belegen, waren damals die meisten Bauernhäuser in Therwil Holzbauten und verfügten über Strohdächer.

Der Wohnteil dieses Vielzweckhauses jedoch ist gemauert, während der Wirtschaftsteil in seinem Innern über eine Ständerkonstruktion verfügt. Das Mauerwerk ist mit wenig Mörtel gefestigt und entsprechend wuchtig. Die Schauseite enthält zahlreiche aus Stein gehauene Elemente wie Bögen, Stürze und Fensterpfosten. Die Verzierungen sind stilistisch noch einer ländlichen Spätgotik verhaftet.

Auch in seinem Innern muss dieses grosse Bauernhaus herrschaftlich angemutet haben. Allerdings sind von der einstigen Pracht des 17. Jahrhunderts nur noch wenige Spuren vorhanden.

Die innere Unterteilung des Gebäudes ist weitgehend erhalten. Man betritt das Haus durch einen Gang, der Stube und Küche erschliesst. Seitlich der Küche befindet sich eine Nebenstube. Die Kammern im Obergeschoss sind mit Bohlenwänden versehen. Der in der grossen Stube im Obergeschoss aufgestellte imposante Posamenter-Webstuhl mit seinem ausgeklügelten Mechanismus weist auf eine einst für das Baselbiet typische und wichtige Heimindustrie hin: die Posamenterei oder Seidenbandweberei.
In der Küche befinden sich eine offene Feuerstelle und ein Rauchfang sowie die Öffnung zum Aussenbackofen. Der Boden ist mit Tonplatten unterschiedlichen Alters belegt.
Der Wirtschaftsteil ist durch verschiedene Anbauten ergänzt worden. Die Wand zwischen Tenn und Stall zeigt das alte Ständerwerk. Spuren deuten auf Ausfachungen mit Flechtwerk und Lehmwickeln hin. Auf der Rückseite des Gebäudes befinden sich Schweineställe, kleine Schöpfe und der Abort.

Erhalten, aber wo?
Bereits Mitte der 1960er Jahre wurde eine Versetzung des Hauses ins damals noch nicht gegründete Schweizerische Freilichtmuseum diskutiert. Allerdings wurde es noch von seinem Besitzer bewohnt, der verfügte, dass dieses historisch wertvolle Gebäude nach seinem Ableben in einem Museum erhalten werden solle.
Während in Therwil die meisten alten Bauernhäuser abgebrochen oder radikal umgebaut wurden, blieb das «Hügin-Haus» in seinem ursprünglichen Zustand bestehen. Je mehr seine Umgebung verändert wurde, umso mehr Interesse weckte dieses altertümliche Gebäude. Im Dorf wurden Forderungen nach seiner Erhaltung an Ort und Stelle laut. Nach einem langwierigen demokratischen Prozess entschied sich der Therwiler Souverän 1984 für die Versetzung ins Freilichtmuseum Ballenberg.