Die Hauslandschaften der Schweiz

In den 13 Baugruppen finden sich charakteristische Haustypen aus fast allen Regionen der Schweiz. Vielleicht interessieren Sie sich dafür, wie sich der Ständerbau entwickelt hat (Baugruppe 6), sind von Strohdächern fasziniert (Baugruppe 2), möchten sich eines der ältesten Holzhäuser der Schweiz nicht entgehen lassen (Baugruppe 7), begeistern sich für südländisch anmutende Steinbauten (Baugruppe 8) - oder haben ein Flair für Alpsiedlungen (Baugruppe 13). Ein Blick auf die Übersichtskarte kann Ihnen hierbei sehr behilflich sein.

Eines sei gleich vorweggenommen: Das Schweizer Bauernhaus gibt es nicht. Die zentrale Lage unseres Landes im Einflussbereich verschiedener Kulturkreise hat nicht nur zu einer einzigartigen Mannigfaltigkeit von Sprachen und Lebensweisen, sondern auch zu einem eindrücklichen Formenreichtum des Hausbestandes geführt.

Jura - Mittelland - Voralpen - Alpen, so sieht die geographische Gliederung unseres Landes aus. Im Hochjura (Nr. 111, 112, 122), einer klimatisch rauen Mittelgebirgsregion, betreiben die Bauern vorwiegend Weidewirtschaft. Im tiefer gelegenen Tafeljura (Nr. 131) herrscht die typische Dreifelderwirtschaft mit Äckern, Wiesen, Obstgärten und z. T. auch Reben vor. Während die Bauern des Hochjuras meist in Einzelhöfen und Weilern wohnen, lebt man in den Tallagen eher in geschlossenen Siedlungen.

Das Mittelland (Baugruppen 2, 3, 5, 6) gilt als das eigentliche Kerngebiet der Schweiz. Die ausgesprochen fruchtbare, sanfte Hügellandschaft weist eine Fülle verschiedener Haus- und Konstruktionsformen auf, zu deren eindrücklichsten das nur noch in wenigen Exemplaren erhaltene Strohdachhaus (Nr. 221, 231) gehört.

Der Blockbau dominiert weite Teile der Schweizer Alpen und Voralpen (Baugruppen 7-13). In dieser Gegend treffen wir vorwiegend auf Einzweckbauten, d.h. Wohnen und Wirtschaften sind auf mehrere Gebäude verteilt.

Auf der Südabdachung der Alpen liegt der Kanton Tessin (Baugruppe 8). Der heute im Tessin dominierende Steinbau war ursprünglich auf den voralpinen Bereich (Sottoceneri) beschränkt und drang erst im 17. Jahrhundert in die Blockbaugebiete der Alpentäler (Sopraceneri) vor.

Ein Bauernhof umfasst in der Regel mehrere Gebäude, die unterschiedliche Funktionen erfüllen. Wir finden Kornspeicher (z.B. Nr. 322, 332, 512, 532, 622, 642) vor allem im Ackerbaugebiet des Mittellandes; Käsespeicher (z.B. Nr. 1012, 1022, 1362, 1363) eher in den voralpinen und alpinen Regionen mit ihren ausgedehnten, auf Viehzucht und Milchwirtschaft ausgerichteten Weideflächen. Das Vieh ist in Heuställen untergebracht, die teils bei den Wohnhäusern, teils auf entfernt liegenden Grundstücken stehen (Nr. 341, 1024). In den vielerorts anzutreffenden Ofenhäuschen werden Brotlaibe gebacken (Nr. 312, 333) oder Früchte gedörrt (Nr. 713, 1032). Zu manchem Hof gehört ein Bienenhaus (Nr. 383, 614) oder ein separates Waschhaus (Nr. 612), das oft auch zum Schnapsbrennen und Schlachten benutzt wird.