Nr. 821
Mehrere Hausinschriften, die älteste aus dem Jahre 1515, weisen auf ein beachtenswertes Alter des aus Malvaglia im Bleniotal stammenden Hauses hin. Ihren Namen verdankt die so genannte «Casa San Carlo» einer Legende, nach welcher der gegen-reformatorische Kardinal Carlo Borromeo 1567 bei einer seiner Pastoralvisiten in eben diesem Haus übernachtet habe.
Das ursprüngliche Gebäude muss einen archaischen Eindruck gemacht haben: Der einstöckige Blockbau stand etwa zwei Meter vom Boden abgehoben auf Pfosten. Man nimmt an, dass das nur schwach geneigte «Tätschdach» damals mit Brettschindeln gedeckt war. Eine aus dem Jahre 1639 überlieferte Verordnung über Zolltarife, der zufolge Schindeln aus dem Bleniotal exportiert wurden, legt diese Vermutung nahe. Als 1564 ein zweites Vollgeschoss aufgesetzt wurde, hat man das Fundament der Stützpfosten durch Um- und Einmauerungen zu einem Sockel verstärkt. Ein bemerkenswertes Detail des Wohngeschosses ist der offene Vorraum mit der Einfeuerungsvorrichtung für den steinernen Heizofen von aussen, die «pigna».
Beim Abbruch war das Dach mit Steinen eingedeckt. Beim Wiederaufbau im Museum führte diese über 35 Tonnen schwere Last zu statischen Problemen. So musste z.B. die vordere Giebelseite mit einer Hilfskonstruktion verstärkt werden.
Das auf den ersten Blick schmucklose Haus weist bei näherem Hinsehen verschiedene Einritzungen auf. Neben Jahreszahlen und Initialen fallen die über der Tür und den Fensteröffnungen eingeschnittenen Kreuze besonders ins Auge. Die religiösen Zeichen und der Standort neben der Kirche könnten auf ein einstiges Pfarrhaus hinweisen. Die Grossbuchstaben IO/AN/IS neben der Jahreszahl 1564 am Türsturz der Stube im Obergeschoss verweisen entweder auf den heiligen Johannes oder auf den Hausbesitzer.

