Nr. 321
Das Bauernhaus von Madiswil ist ein vollständig aus Holz errichteter Ständerbau. Im Gegensatz zum benachbarten Strohdachhaus von Oberentfelden AG (Nr. 221) ist dieses Bauernhaus zu Beginn des 18. Jahrhunderts für zwei Familien geplant und gebaut worden.
Sein Grundriss ist dem First entlang in zwei Wohn- und Wirtschaftsbereiche aufgeteilt, wobei Küche, Tenn und Dachraum gemeinsam genutzt wurden. Auch dieses Haus war ursprünglich mit Stroh gedeckt, das im 19. Jahrhundert durch Schindeln ersetzt wurde. Beim Wiederaufbau wurden für das grossflächige Dach rund 257’000 Schindeln benötigt.
Der Wohnteil des Ständerbaus ist weitgehend erhalten geblieben und konnte mit nur kleinen Ergänzungen im Museum wieder aufgebaut werden. Der Wirtschaftsteil war naturgemäss einer stärkeren Abnützung unterworfen und wurde teilweise aus neuem Holz rekonstruiert. In der Mitte des Hauses sind die bis zum Dachfirst hinaufreichenden Hochstüde sichtbar. Leiterbäume erleichtern das Besteigen der Heu- und Strohbühnen. Über den Firstbalken sind paarweise Rafen gehängt, welche die Dachlatten und den Dachbelag tragen. Ein Unterfirst und quer abgestützte Sperrrafen verstärken das Dachgerüst.
Im Haus von Madiswil wird erlebbar, wie im 18. Jahrhundert der durchschnittlich begüterte Mittellandbauer wohnte und wirtschaftete. Die Einrichtung umfasst zahlreiche Möbel und Gegenstände aus dem traditionsreichen, im Kanton Bern gelegenen Oberaargauer Dorf.
Die Mitte des Hauses wird durch eine eindrückliche Rauchküche bestimmt. Ohne Kamin zieht der Rauch frei unter der Holzdecke des Obergeschosses durch Rauchlöcher ins Tenn und nach aussen. Am Küchenhimmel hängen Speckseiten und Würste zum Räuchern. Nur wenig Tageslicht dringt in diesen Raum. Wer hier keine Hausarbeit zu verrichten hatte, zog wohl den Aufenthalt in der rauchfreien, durch einen Sandsteinofen heizbaren Stube vor.
Beide Stuben sind mit Bauernmöbeln aus dem Oberaargau eingerichtet. In einer der Nebenstuben weist ein Webstuhl auf die Anfänge der Leinenweberei in dieser Region hin. Schon im frühen 17. Jahrhundert war die Weberei als Lohnarbeit im Nebenerwerb eingebürgert. An der Wand zum Tenn hängt eine linksläufige Sense, mit der sich die Sage vom «Links-Mäder» verbindet. Diese tragische Geschichte eines Liebesbeweises, der durch «Links-Mähen» erbracht werden musste, wird in Madiswil seit 1914 in regelmässigen Abständen als Volkstheater inszeniert.
Wo kein Bach vorhanden war und keine Quelle hergeleitet werden konnte, musste nach Wasser gegraben werden. Sodbrunnen reichten oft ein Dutzend Meter in die Tiefe bis zum Grundwasser-spiegel. Hinter dem Haus von Madiswil wurde ein Sodbrunnen gegraben. Das Wasser kann mit einer hölzernen Pumpe heraufbefördert werden. Über dem Schacht ist das Sodbrunnenhaus von Wimmis BE (Nr. 323) errichtet.

