Nr. 371
In Detligen gab es um 1808 neben acht Bauern 15 Taglöhner, die nur über kleinste Anwesen verfügten. Sie arbeiteten tageweise auf Grossbauernhöfen und waren auf weitere Nebenverdienste angewiesen.
In seinem Grundkonzept ist das Taglöhnerhaus ein Vollbauernhaus im Kleinformat. Alles, was zu einem bäuerlichen Vielzweckbau gehört, ist auch hier vorhanden: ein Wohnteil mit Stube, Kammer und Küche, ein Tenn und ein Stall mit Heubühne. Konstruiert ist dieses Haus als Ständerbau mit Hochstüden, teils mit einer Ausfachung durch Bohlen, teils durch Flechtwerk. Trotz des breit ausladenden Daches sind die Dimensionen der Innenräume ausgesprochen klein. Oft hatten sich mehr als ein Dutzend Personen in Stube und Küche zu teilen. Der Stall nahm kaum ein einziges Stück Grossvieh auf; die «Kuh der armen Leute» war die Ziege.
Die Lebens- und Wirtschaftsweise in diesem Haus darf man sich nicht allzu geordnet vorstellen. Als Taglöhner hatte man sich Tag für Tag aufs neue den Herausforderungen des Lebens zu stellen. Neben der Landwirtschaft wurde auch Gewerbe betrieben. Der letzte Bewohner des Hauses war ein Korbflechter. In der kleinen Tenne ist eines von vielen Störhandwerken, jenes des «Teuchelbohrens», dargestellt. «Teuchel» sind hölzerne Wasserröhren.

