Nr. 711
Wer für den Besuch des Schweizerischen Freilichtmuseums den Weg über den Brünig gewählt hat, wird mit diesem Bauernhaustypus bereits Bekanntschaft geschlossen haben. Er findet sich in Dutzenden von Beispielen auf beiden Seiten von Bahnlinie und Hauptstrasse in Obwalden.
Äusserlich betrachtet weisen die traditionellen Obwaldner Wohnhäuser eine kleine Variationsbreite auf. Dennoch ist jedes von ihnen durch eine individuelle, oft komplexe Baugeschichte einzigartig. Auch in diesem Wohnhaus von Sachseln stecken verschiedene Bauphasen, die seinen Wiederaufbau nicht leicht gemacht haben. Der ursprüngliche Bau von 1600 sah dem benachbarten Haus von Erstfeld UR (Nr. 721) recht ähnlich. Ein für die damalige Zeit grosszügiger Grundriss weist auf einen begüterten Bauherrn hin.
1854 übernahm der kurz vorher zum Regierungsrat gewählte Joseph von Moos das Heimwesen «z’Moos». Da die Holzaltersbestimmung nicht eindeutig ist, wissen wir nicht genau, ob er die Umgestaltung des Gebäudes in Auftrag gab. Das schwach geneigte Schindeldach wurde durch ein repräsentativeres, steiles Ziegeldach ersetzt, der Einbau eines Kamins machte das Wohngeschoss rauchfrei. Früher konnte in der Küche über dem offenen Feuer gekäst werden. Mit der rauchfreien Küche wurde die Käserei ins Kellergeschoss verdrängt. Die Küchennische und der Aussenkamin geben dem Haus sein charakteristisches Erscheinungsbild.
In der Kulturlandschaft Obwaldens sind spätmittelalterliche Zeugen der Baukunst nicht selten. Rund um den Sarnersee stehen noch heute ca. 25 Bauernhäuser aus dem 15. Jahrhundert, so z.B. das Wohnhaus des Landesheiligen Bruder Klaus (1417–1487), welches wiederum nur ein paar 100 Meter vom ursprünglichen Standort des Sachsler Hauses entfernt liegt.
Im Innern weist das Haus die für die Innerschweiz typische Unterteilung in Stube und Kammer im Vorderhaus und Küche und «Stübli» im Hinterhaus auf. Die Initialen MHD des 1832 datierten Stubenofens weisen auf den bekannten Sarner Hafnermeister Heinrich Dillier hin. Besonders hervorzuheben sind auch das Obwaldner Buffet und eine sehr schön bemalte Kommode, beide aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Stube und Nebenstube sind mit Täfer und Böden des 19. Jahrhunderts ausgestattet. Durch sein stattliches Äusseres und seine grossen Räume im Innern bezeugt dieses Haus den Wohlstand seiner einstigen Besitzer.
Im Ober- und Dachgeschoss des Hauses ist eine umfangreiche Ausstellung zum Thema «Der Wald – unsere Welt» eingerichtet.
Neben dem Haus steht der Dörrofen von Alpnachstad OW (Nr. 713). Das Obst, vorwiegend Birnen- und Apfelschnitze, wurde auf Holzrosten in den Ofen eingeschoben. Die Heissluft und der Rauch zogen durch ein ausgeklügeltes Abzugssystem in den Kamin und wärmten die Wände der beiden Dörrkammern auf.

