Zentralschweiz | Wohnhaus von Erstfeld UR (1730)


Nr. 721
Mit dem Wohnhaus von Erstfeld ist es dem Schweizerischen Freilichtmuseum gelungen, ein hervorragendes Baudenkmal aus dem 18. Jahrhundert zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In einer fast modellhaften Ausgestaltung kann hier der etwas unpräzis als «Gotthardhaus» bekannte Bautypus kennen gelernt werden.

Es handelt sich um ein für das Reusstal sehr typisches Wohngebäude. Sockelgeschoss und rückseitige Feuerwand sind aus Stein gebaut, der eigentliche Wohnteil ist aus Holz und in Blockbauweise erstellt. Die Verbindung zwischen beiden Elementen stellen Fachwerkwände dar. Stilis-tisch lässt sich dieses Haus dem Übergang zwischen Spätrenaissance und Frühbarock zuordnen. Im Innern sind jedoch noch gotische Zierformen erkennbar.
Die Blockkonstruktion ist ausgesprochen raffiniert. Das Raumvorstellungsvermögen der unbekannten Zimmerleute verblüffte uns bei der Zerlegung des Baues. Mit technisch einfachsten Mitteln wurden komplizierte Details wie die aus Balken und eingenuteten Bohlen zusammengesteckte Stubendecke gestaltet.
Im Sockelgeschoss des Hauses dürfte sich ein Pferde- oder Maultierstall befunden haben. Da ein alter Saumweg am ehemaligen Standort vorbeiführte, lassen sich Bezüge zum Passverkehr herstellen. Im hinteren Bereich ist ein Gemüse- und Obstkeller untergebracht. Er ist sorgfältig abgetrennt von einem gemauerten Schacht, der die Jauche aufnahm.

Mit Sicherheit weiss man, dass der Erbauer und erste Besitzer des Hauses, vermutlich ein Mitglied der Ratsherrenfamilie Epp, kein armer Mann war. Vieles deutet auf eine reichhaltige Innenausstattung hin. Die Wohnräume sind grosszügig und für die damalige Zeit luxuriös angelegt.

In der grossen Hauptstube lässt sich die originale Balkendecke bewundern. Das durch einen Ofenbrand um 1900 weitgehend zerstörte Täfer wurde ergänzt. Der aus einem anderen Urner Wohnhaus stammende Kachelofen von 1725 bildet das eigentliche Prunkstück dieses Interieurs. Vom ursprünglichen Buffet waren lediglich noch Spuren zu erkennen. Es wurde nach dem Vorbild aus einem Nachbarhaus nachgebaut.
Im rückwärtigen Teil des Hauptgeschosses befinden sich Küche, Speisekammer und Aborte. Die Herdstelle ermöglicht es, während des Winters, wenn das Vieh im Tal ist, zu käsen. Das für ein fast 300-jähriges Haus moderne Abortsystem weist auf den hohen Lebensstandard seiner ersten Bewohner hin. Im Obergeschoss befinden sich zwei gleich grosse Schlafkammern. Im rückwärtigen Raum war vermutlich Hausrat untergebracht. Das Dachgeschoss enthält eine kleine Firstkammer, die als Abstellraum diente.
In der Kammer neben der Wohnstube ist ein Totenzimmer eingerichtet. Auf dem Bett liegt der «leblose Körper eines Kindes». Der ganze Raum ist in Weiss, der Totenfarbe für Kinder, ausgeschmückt. Ein eindrückliches und zugleich bedrückendes Erlebnis, welches aufgrund der hohen Sterblichkeitsrate für Kinder bis weit ins 19. Jahrhundert zum traurigen Alltag gehörte.

Beim Heustall von Spiringen UR (Nr. 723) handelt es sich um einen Kleinviehstall, kombiniert mit einem Heuraum.