Nr. 731
Der im Stil des Spätbiedermeier erbaute Gasthof «Degen» ist ein für diese Epoche und für seine Ursprungsregion typisches Gebäude. Gemäss seiner ehemaligen Funktion als gemütliche Dorfbeiz wird der Degen auf dem Ballenberg als Museumsgaststätte betrieben.
Als im Jahr 1798 napoleonische Truppen in Hünenberg einmarschierten, verlangten sie eine Liste sämtlicher Gaststätten im Ort. Neben drei Wirtschaften sind auch zwei Pinten aufgeführt, eine davon die des «Peter Dägen im Dorf». Offensichtlich geht der Name «unseres» Gasthauses auf jene ursprünglich aus dem Baselbiet stammende Wirtefamilie Dägen zurück. Vier Jahre nachdem deren letzter Spross die Schenke verkauft hatte, brannte sie 1883 vollständig nieder.
1891 erfolgte ein Wiederaufbau im wahrsten Sinne des Wortes: das Gebäude des heutigen «Degens» war damals an einem anderen, nach mündlicher Überlieferung im Luzernischen gelegenen Ort abgebrochen worden.
Das Holz des Rähms, der Schwelle und des Dachstockes stammt nach dendrochronologischen Messungen aus den Jahren 1837–1842. Die Anlage der Zimmer in dem geschossweise abgebundenen Ständerbau entspricht der eines Wohnhauses. Besondere Beachtung verdienen die sehr schönen Kachelöfen aus dem 19. Jahrhundert und das schlichte Einbaubuffet.
Zur Geschichte der Gastlichkeit
Bereits die Römer errichteten im Gebiet der heutigen Schweiz ihre Tavernen. Im Gegensatz zu dieser kommerziellen Gastlichkeit galten bei den Rätiern, Alemannen, Germanen und Kelten die Regeln einer archaischen Gastfreundschaft, der zufolge jeder um Aufnahme bittende Fremde grosszügig bedient und vor allen Übergriffen geschützt werden musste. Jedoch bereits in den unsicheren Zeiten der Völkerwanderung kam es zu schweren Missbräuchen dieser unumschränkten privaten Gastlichkeit, und die Obrigkeit musste reglementierend eingreifen. Im Mittelalter schliesslich waren es nur noch die Klöster, die ein – nun christlich deklariertes – unentgeltliches Beherbergungsrecht gewährten, während an verkehrsgünstig gelegenen Orten die kommerziellen Wirtshäuser, Schenken, Pinten usw. wie Pilze aus dem Boden schossen.

