Östliches Mittelland | Bauernhaus von Uesslingen TG (1568/1605)


Nr. 621
Die frühen Bauernhäuser des Östlichen Mittellandes sind wenig bekannt. Ihre Konzeption und Bauweise finden sich auch jenseits der Grenzen der heutigen Schweiz, im Badischen und im nördlichen Bodenseeraum.

Das grosse Vielzweckhaus von Uesslingen ist in einem Urbar des Klosters Ittingen von 1743 vermerkt. Aus dem heutigen Bestand lassen sich zumindest zwei Bauphasen erkennen. Das ursprüngliche Bauernhaus umfasste Stall, Tenn und Wohnbau. Als man im 18. Jahrhundert das Gebäude um einen Pressraum verlängerte, beliess man die alten Rafen und zog eine neue Dachkonstruktion darüber hinweg.

Die Gefache aus Bohlen wechseln mit Wandfüllungen aus Flechtwerk und Lehm ab.

Die Haustüre auf der Rückseite öffnet sich in die Küche. Die Stube ist mit einer für die Ostschweiz charakteristischen Bohlen-Balkendecke versehen. In der Nebenstube sind die Balken gegen die Kammermitte verjüngt, so dass der Eindruck einer gewölbten Decke entsteht.

Die früheren Bewohner waren vermutlich Weinbauern. Nur so lässt sich der kleine Stall und Dreschtenn mit einem ebenso klein dimensionierten Heuraum interpretieren. In der ehemaligen Trotte ist die Ölpresse von Walter Boetschi aus Unterstammheim ZH eingerichtet. Noch während des Zweiten Weltkrieges lief das Geschäft mit dem Pressen von Baumnuss-, Buchnuss-, Raps- oder Mohnöl auf Hochtouren. Gegen 700 Kilogramm Samen und Kerne wurden zu jener Zeit innert 24 Stunden verarbeitet.