Östliches Mittelland | Werkhofschopf von Aarau AG (1711)


Nr. 695
Das ausgedehnte Werkhofareal der Stadt Aarau befand sich ausserhalb der Stadtmauern bei der Aarebrücke. Es bestand aus einem Mehrzweckgebäude, einem Schopf und freien Lagerplätzen. Der Schopf steht im Ballenberg. Das ebenfalls vom Anfang des 18. Jahrhunderts stammende Mehrzweckgebäude hingegen fiel im Jahre 2002 einem Brand zum Opfer.

Das im Ballenberg stehende Gebäude ist von der Funktion her ein Holzschopf. Bei einem Grundriss von 22 Metern Länge und zehn Metern Breite fällt es einem jedoch schwer, von einem Schopf zu sprechen. Der Holzbau steht auf einem ungefähr hüfthohen Sockel aus behauenen Jurakalksteinen. Es ist ein klassischer Ständerbau aus Tannenholz, bei dem einzig die Eckständer aus dauerhafterem Eichenholz angefertigt sind. Durch den Einbau eines liegenden Dachstuhls kommt der ganze Dachraum ohne Ständer aus und kann optimal als Lager genutzt werden. Das weit ausladende Vordach schützt nicht nur die Fassaden, sondern bietet auch einen geschützten Arbeitsbereich. Die Staketen im Erdgeschoss und das Holzgitterwerk in den Giebelfeldern bewirken eine gute Luftzirkulation für die Lagerung von Holz.

Am 25. April 1710 hatte die Stadt Aarau keinen Wein mehr im Rathauskeller. Deshalb bekamen die Arbeiter, die an der «Werkhühte» bauten, an Stelle des Firstweins den entsprechenden Geld-betrag aus dem «Statt Sekel» (Stadtkasse) ausbezahlt. In die beiden Eckständer der Frontseite des Werkhofschopfes ist die Jahreszahl 1711 eingekerbt. Zwischen das Zahlenpaar 1 und 7 sind ein dreiblätteriges Kleeblatt und ein Kelch eingeschnitzt. Ein Kelch bedeutet in der Regel, dass die Zimmerleute mit dem Firstwein zufrieden waren. In die Umrisse des Kelches des Werkhofes ist ein Kreis gezeichnet und darüber sieht man strahlenförmige Kerben. Da hier Geld statt Wein ausgegeben wurde, liegt die Vermutung nahe, dass damit ein Geldstück (Kreis) in einem oben zusammengebundenen Geldbeutel aus Leder gemeint ist.