Westliches Mittelland | Bauernhaus von Villars-Bramard VD (1800)


Nr. 531
In der Zeit um 1800 veränderte sich die Hauslandschaft des Waadtlandes grundlegend. Nach dem Einmarsch der Franzosen und der Loslösung von der Berner Herrschaft demonstrierten die Bauern ihr neues Bewusstsein als freie Bürger, indem sie prächtige, grosse Häuser errichteten. Das ausgehende 18. Jahrhundert mit seiner Ackerbaukonjunktur hatte sie reich gemacht.

Das Dorf Villars-Bramard liegt zwischen Lucens und Romont unmittelbar an der freiburgischen Grenze. Auf einer klimatisch eher rauen Hochebene wurde früher mehrheitlich Getreide angebaut. Hier errichtete in den Jahren 1800 und 1801 der Bauer Jean-François Fattebert ein neues Haus. Es sollte etwa dreimal so gross und weit prächtiger werden als der Vorgängerbau aus dem 17. Jahrhundert.
Auf der Baustelle müssen wohl mehr als ein Dutzend Leute gleichzeitig gearbeitet haben, denn das Volumen des Hauses und die Qualität des Baumaterials sprengen alle uns vertrauten Dimensionen. Die aufwendige Holzkonstruktion im Innern mag das Fällen einer grösseren Waldpartie erfordert haben. Mit technisch einfachen Hilfsmitteln wurden die Fassadenelemente aus Muschelkalk und Sandstein zugehauen.

Trotz seiner Grösse wirkt dieses Haus ausgesprochen elegant. Der Baukörper zeichnet sich durch ausgewogene Proportionen aus. Die schlichten Zierelemente gliedern die Fassaden auch in die Tiefe. Der gezielte Einsatz von Materialien und Farben entspricht nicht nur praktischen Bedürfnissen, sondern weist auf eine bewusste architektonische Gestaltung hin. In Aufbau und Grundriss jedoch ist dieses Bauernhaus eher konventionell. Teile des Obergeschosses wurden wie bei vielen Waadtländer Bauernhäusern vermutlich gar nie ausgebaut. Hier kann man heute eine prächtige Kuhglockensammlung bewundern. Zudem ist im Erdgeschoss im Raum hinter der Küche eine traditionelle Goldschmiedewerkstatt eingerichtet.

Die Fassaden spiegeln ein grösseres Raumprogramm vor, als in Wirklichkeit realisiert wurde. In seinem lnnern verfügt das Bauernhaus nur über einige wenige ausgebaute und eingerichtete Räume.

Über zwei Jahre hinweg stand dieses prächtige Haus ohne Dach, bis es mit Hilfe des Kantons Waadt für das Schweizerische Freilichtmuseum gerettet werden konnte. Zwei Winter hatten ihre Spuren hinterlassen. So litt das Täfer der Wohnräume stark unter der Feuchtigkeit. Verheerend wirkten sich Frost und Nässe auf die Fassadenteile aus. Während der Muschelkalk der Witterung recht gut trotzte, wurde der Sandstein gänzlich zersetzt. Auch der Einsatz moderner Konservierungsmittel konnte dieses empfindliche Baumaterial nicht mehr retten. Die meisten Sandsteinpartien mussten durch Fachleute der Münster- bauhütte Bern neu bearbeitet und ersetzt werden.
An die östliche Giebelseite des Wirtschaftsteils des Hauses von Villars-Bramard ist der Göpel von Ecoteaux VD (Nr. 534) angebaut. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts fand diese Antriebsvorrichtung für das Dreschen von Getreide ihre Verbreitung im Mittelland. Das Göpelwerk wird durch ein im Kreis gehendes Pferd (oder einen Ochsen) angetrieben.

Der vom Aufbau her eher an ein Möbelstück erinnernde Kornspeicher von Ecoteaux VD
(Nr. 532) weist als Gebäudetypus in nordöstlich angrenzende Kulturlandschaften, während seine Formensprache bereits Savoyen verpflichtet ist.