Berner Oberland | Wohnhaus von Matten BE (um 1570)


Nr. 1021
Das Freilichtmuseum Ballenberg zeigt, wie man ein altes Haus ohne wesentliche Eingriffe in die Originalsubstanz zeitgemäss bewohnbar machen kann. Das Haus von Matten (BE, um 1570) wurde beispielhaft für heutige Wohnbedürfnisse umgebaut. Der Ballenberg bewegt sich dabei im Spannungsfeld zwischen Tradition (originale Bausubstanz) und Innovation (heutige Anforderungen an den Wohnkomfort). Altes Handwerk, Baumaterialien und Formensprache stellen sich der Auseinandersetzung mit neuer Technologie und den veränderten Anforderungen an die Wohnqualität.

Das Haus von Matten wurde auf die Saisoneröffnung 2008 fertig eingerichtet. Mit Hilfe der Firma Pfister konnte das Haus auf die Saison 2009 neu möbiliert werden. Das Haus von Matten verbleibt in dieser neuen Form im Museum als Anschauungsobjekt für die Denkmalpflege, Architekten/innen, Handwerker, Baubehörden und Besitzerinnen und Besitzer alter Häuser.

Beim Abbau des Wohnhauses von Matten liess sich nirgends eine Datierung finden. Die Holzaltersbestimmung hat jedoch eine Bauzeit um 1570 ergeben. Es handelt sich demnach um einen sehr frühen Zeugen dieser ausgereiften Blockkonstruktion und der einzelnen Elemente des Bauschmucks.

Im 19. Jahrhundert war die Landwirtschaft auf diesem Hof vor allem durch die Viehzucht bestimmt. Zum Anwesen gehörten verschiedene Grundstücke, Scheunen und Speicher, ein Backofen und Heuställe auf Maiensässen.
Der aus Bruchsteinen gemauerte Unterbau enthält mehrere Keller. Darauf erhebt sich ein sorgfältig gefügter Kantholzblock mit Vorstössen.
Durchlaufende Rillenfriese unter den Fenstern und die bemerkenswerte Gestaltung der Pfettenträger weisen auf das hohe Alter des Gebäudes hin. Die Stuben- und Kammerfenster erfuhren im letzten Jahrhundert eine Vergrösserung und wurden beim Wiederaufbau in ihren ursprünglichen Proportionen rekonstruiert. Das charakteristische Pfetten-Rafendach ist mit Schindeln bedeckt.

Der grosse Herd diente nicht nur zum Kochen, sondern auch zum Käsen. Der Käsekessel wurde an einen drehbaren Galgen – «Turner» genannt – gehängt. Neben dem Herd ist die Öffnung des Backofens sichtbar. Dieser führt über das eigentliche Haus hinaus und steht auf Holzstützen. Vermutlich ersetzte er ein älteres Backhäuschen. Die kurze Feuerwand auf der Seite der Wohnstube enthält Heizöffnung und Rauchabzüge für den Sandsteinofen. Der mit 1845 datierte «Trittofen» vermerkt die damaligen Besitzer Hans Sterchi und Elisabeth Roth.

Im Erdgeschoss tritt man von beiden Traufseiten über gemauerte Freitreppen in das bis unters Dach offene Hinterhaus mit seiner Feuerstelle. Solche Rauchhäuser kamen im Alpengebiet recht häufig vor, bei unserem Beispiel ist eine Küchenkammer abgetrennt.

Die grosse Stube wird von zwei Fensterfronten erhellt. Die schmale Nebenstube dürfte als Schlafkammer gedient haben. Aus der Küche führt eine Treppe ins Obergeschoss, dessen Räume über eine quer zur Firstrichtung verlaufende Galerie zugänglich sind. Über dem Herdraum hängen die russgeschwärzten Räucherstangen. Auf der Rückseite des Hauses befindet sich ein Anbau, der von einem Pultdach bedeckt wird. Vermutlich wurde er zusammen mit dem Ausbau des Backofens erstellt. Er schützt zudem einen kleinen Schweinestall sowie den unerlässlichen Holzschopf. Ausserdem ist hier der Abort zu finden.

Im Giebelfeld des zweigeschossigen Käsespeichers von Niederried BE (Nr. 1022) finden wir neben der Jahreszahl 1656 und zwei Berner Bären die Namen des Bauherren Christen Blater sowie des Zimmermanns Hans Bos. Im Erdgeschoss scheinen Käsegestelle vorhanden gewesen zu sein, das Obergeschoss diente zur Aufnahme von allerhand Landwirtschaftsprodukten, Gerätschaften und Brennholz.

Der Heustall von Brienzwiler BE (Nr. 1024) oberhalb des Hauses von Matten gehört zu den letzten Gebäuden, die am originalen Standort auf dem Museumsgelände erhalten geblieben sind.

Tourismus und Brauchtum
Im Berner Oberland hat der Tourismus Tradition. Die ersten Fremden besuchten schon im ausgehenden 18. Jahrhundert Seen, idyllische Dörfer und Gletscher. Doch die englischen, französischen und deutschen Touristen schätzten nicht nur die landschaftlichen Reize des engeren Oberlandes, sondern auch sein Brauchtum, seine Trachten, seine Volksmusik und seine Tänze.
1805 wurde auf der Unspunnenmatte bei Interlaken das erste Alphirtenfest gefeiert. Dadurch wurde die regionale Folklore aufgewertet, in den Dienst des Fremdenverkehrs gestellt – und vielleicht vor dem Untergang gerettet.

Ein Zeuge des wichtigen Wirtschaftszweiges Tourismus ist der 1880 errichtete Kiosk von Bönigen BE (Nr. 1041), der dem Verkauf von Holzschnitzereien diente.