Nr. 1131
Die Geschichte der Kapelle von Raron beginnt mit einer Hochzeit: Im Jahre 1670 heiratete der Gerichtsschreiber Johannes Kalbermatten Juliana Allet von Leuk. Aus 30 Personen habe die Hochzeitsgesellschaft bestanden, wird zusätzlich erwähnt. Dies ist der erste urkundliche Beleg eines Vorgängerbaus der damals dem heiligen Laurentius geweihten Kapelle.
Der Weiler Turtig bei Raron war seit dem Mittelalter ein Etappenort an der alten «Reichs- und Landstrasse» durch das Wallis. Mit dem Ausbau und der Verlegung der Strasse wurde der kleine Weiler vom Durchgangsverkehr abgeschnitten. Die Kapelle stammt wahrscheinlich aus dem frühen oder mittleren 18. Jahrhundert und gehört zu den typischen Vertretern der barocken Walliser Dorfkapellen. Im Innern war das Schiff bis in die 1940er Jahre von einem gemauerten Tonnengewölbe überspannt. Als dieses 1943 einstürzte, beschloss die Kirchgemeinde, eine neue Kapelle zu bauen, die am 1. Juli 1951 eingeweiht wurde.
Die ursprünglich den Heiligen Laurentius und Sebastian geweihte Kapelle erhielt zu einem heute nicht mehr genau eruierbaren Zeitpunkt eine neue Heilige: Die heilige Agatha wird erstmals 1795 im Zusammenhang mit der Kapelle erwähnt. Doch noch 1897 werden Laurentius und Agatha gemeinsam genannt. Bei den im katholischen Jahreslauf früher gebotenen drei Prozessionen vor Christi Himmelfahrt war die Kapelle Ziel eines Bittganges, um den Segen Gottes auf die Fluren herabzuflehen. Die heilige Agatha gilt als Schutzheilige gegen Feuergefahr. An ihrem Namenstag, dem 5. Februar, nahm die Feuerwehr von Raron früher am Gottesdienst teil.
Die originale Ausstattung der Kapelle wurde 1951 in den Neubau übernommen. So musste die Innenausstattung für die Präsentation auf dem Ballenberg aus verschiedenen Beständen zusammengestellt werden.
Den Altar stellte der Bischof von Sitten zur Verfügung, das alte Weihwasserbecken gehörte zu der Sammlung eines Steinmetzen und die zwei originalen Kirchenbänke stammen aus einer Kapelle in Raron. Das Eisenkreuz, die Glocke von 1832 und die Kreuzwegtafeln sind Kopien.
«Tu es Petrus» (Du bist Petrus): Dieser Satz steht unter dem Apostelbild in der Mitte des Oberbaus des Altars aus dem 18. Jahrhundert. Darüber finden wir als Bekrönung das Jesus-Zeichen IHS mit den drei Kreuznägeln. Flankiert wird das Ölbild von den Erzengeln Michael mit Schwert und Waage, die auf das letzte Gericht hinweisen, und Gabriel mit der Darstellung der Verkündigung Marias. Darunter steht im Zentrum des Altars eine sehr schön gefasste Holzskulptur von der Jungfrau Maria mit dem Jesuskind. Links daneben eine Statue von Theodul oder Theodor von Octodurum (Martigny), Bischof von Sitten und Schutzpatron des Wallis. In der einen Hand hält er den Hirtenstab, in der anderen Trauben. Der eigentliche Altar mit Christus als Schmerzensmann (Leichentuch, Dornen, Wundmale) und den vier Evangelisten Matthäus, Markus, Johannes und Lukas passt stilistisch nicht zum Oberbau. Er ist jünger und stammt wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert.

